Flugsportring Kraichgau e.V. SinsHEIM

mehr als nur Flugsport!

Die Wurzeln des Flugsportrings Kraichgau
Schon gegen Ende der Jahre 1948/49 fanden sich Flugsportbegeisterte wieder zusammen, am Anfang wegen des damaligen Flugverbotes noch geheim. Man begann Modellflugzeuge zu bauen und vom eigentlichen Segelfliegen wieder zu träumen. Flugsportanhänger aus Neckarbischofsheim, Sinsheim und Waibstadt gründeten in ihren Orten Fliegergruppen. In Waibstadt wurde daraus im Juni 1951, nach der Freigabe des Segelfluges durch die Alliierten, der Segelflugsportverein Waibstadt gegründet unter dem Vorsitz von Julius Himmelhan. Bald darauf wurde auch in Neckarbischofsheim unter Vorsitz von Horst Neudel der dortige Segelflugsportverein gegründet. Auch in Zuzenhausen bildete sich eine Gruppe.
Wieder musste vollkommen von vorn angefangen werden. Mit mühsam zusammengetragenen Werkzeugen war es möglich, die ersten Flugmodelle zu bauen, zumal durch großes Verständnis von Herrn Bürgermeister Spiegel in Waibstadt in einem Schulhaus eine geräumige Werkstatt eingerichtet werden konnte. Nachdem auch in Neckarbischofsheim ein geeigneter Raum für eine Werkstätte gefunden wurde, machte hier der Flugmodellbau ebenfalls gute Fortschritte.

Die Vereinsgründung
Ein Hauptanliegen aller Segelflieger aber war das Fliegen. Daher rief der Segelflugsportverein Waibstadt im Sommer 1952 über die Presse alle Flugsportfreunde im Landkreis Sinsheim zusammen. Es entstand die „Arbeitsgemeinschaft Kraichgau“, die einen gemeinsamen Flugtag am 31. August 1952 im Wiesental in Sinsheim durchführte. Diese Veranstaltung erbrachte den Hauptbeitrag für die Beschaffung eines Gleitflugzeuges vom Typ Schulgleiter SG 38. Unter Anwesenheit des berühmten Segelfliegers Wolf Hirth konnte so am 11. Januar 1953 in Waibstadt das erste Nachkriegsflugzeug im Landkreis Sinsheim auf den Namen „Kraichgauspatz“ getauft werden. Inzwischen hatte sich auch in Sinsheim unter Erhard Weinelt eine Segelfliegergruppe gegründet und so fanden sich die Mitglieder aller drei Gruppen zusammen um am 8. Februar 1953 den neuen Verein „Flugsportring Kraichau e.V.“ aus der Taufe zu heben. Beim Fohlenmarkt 1953 traten die Segelflieger in einem Umzug erstmals unter dem neuen Namen öffentlich auf. Im ersten Jahr waren bereits um die 400 Flüge auf allen möglichen Geländen bis hin zu den Neckarwiesen bei Obrigheim zu verzeichnen.
Als Seilwinde diente ein umgebauter Tatra-Pkw, bei dem beide Räder links abmontiert und durch eine Seiltrommel und eine Seilführung mit Kappvorrichtung ersetzt wurden. Aber schon im zweiten Jahr konnte eine richtige Seilwinde im Eigenbau erstellt werden, die am zweiten Flugtag am 12. September 1953 im Wiesental eingeweiht wurde. An diesem Flugtag wurde auch der inzwischen von der Firma Wolf Hirth in Nabern/Teck erworbene Doppelsitzer vom Typ „Doppelraab V5“ getauft und in Betrieb genommen. Dieser inzwischen mehrfach grundüberholte und gepflegte Oldtimer ist noch heute flugfähig und wird gelegentlich auch im Flugbetrieb eingesetzt.

Die Jahre nach der Vereinsgründung
Weitere Flugtage folgten in den Jahren 1955 und 1956. Mit diesen und durch andere Aktionen wie Bausteinverkauf, Sammeln von Altpapier, Verkauf von Rasierklingen und natürlich durch unendlich viele Arbeitsstunden der Mitglieder konnten nach und nach weitere Segelflugzeuge und die dritte und leistungsstärkere Seilwinde gebaut bzw. beschafft werden.
• 1958 Übungseinsitzer Baby IIb
• 1963 Leistungsdoppelsitzer Ka 7 „Rhönadler“
• 1965 Leistungseinsitzer K8B
Bis Anfang der 1960er Jahre hatte der Verein noch immer kein eigenes Domizil, Flugzeuge und Geräte waren an verschiedenen Stellen in der Stadt Sinsheim mehr schlecht als recht untergebracht. Der Wunsch endlich am Fluggelände Baulichkeiten zu besitzen wurde immer stärker. Motor dabei war Erhard Weinelt, Polizeibeamter in Sinsheim. Nach dem Kauf eines Grundstückes am Rande des Wiesentales entstand durch die Mitarbeit aller Fliegerkameraden in unsäglich vielen Arbeitsstunden in den Jahren 1959 bis 1962 ein Fliegerheim mit Werkstatt, Flugzeughalle, Modellbauwerkstatt, Büro und Schulungsraum „Fliegerklause“. Dieses konnte im August 1963 eingeweiht werden, gemeinsam mit der Taufe des im Jahr zuvor beschafften Doppelsitzers Ka 7 auf den Namen „Sinsheimer Reichsadler“.
Aber noch immer war das Fliegen auf dem Fluggelände im Wiesental nur in der Wachstumsruhe möglich und geduldet. In den anderen Monaten musste man zum Segelfliegen nach auswärts fahren. So zum Bespiel auf die Neckarwiesen bei Obrigheim, auf das Klippeneck bei Spaichingen, nach Karlsruhe-Forchheim oder nach Weinheim. Erst Ende 1966 kam Bewegung in die Sache: Die Stadt Sinsheim, der Landkreis Sinsheim und der Flugsportring Kraichgau gründeten eine „Arbeitsgemeinschaft Flugplatz Sinsheim“. Es dauerte aber noch Jahre, zumal der Landkreis in den 1970er Jahren wegen einer Kreisreform seiner Auflösung entgegenging. Endlich im Frühjahr 1971 war es gelungen, durch freiwilligen Geländetausch im gesamten Wiesental ein zusammenhängendes Fluggelände von etwa 17 ha Größe zu pachten. Im darauffolgenden Winter wurde es umgepflügt und dann im Frühjahr 1972 geebnet und mit Gras eingesät. Am Ende der Wachstumsphase konnte es am 23./24 September im Rahmen des ersten Flugtages nach vielen Jahren eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Erstmals durften ab diesen Tagen auch Motorsegler in Sinsheim starten und landen.

Der weitere Aufschwung des Vereins
Von nun an ging’s bergauf. Der Verein wuchs durch zahlreiche neue Mitglieder, die Startzahlen erhöhten sich von Jahr zu Jahr und auch die Zahl der Flugzeuge nahm weiter zu. Viele Mitglieder nahmen an regionalen Wettbewerben teil und trugen sich in die Siegerlisten ein. Auch vom Segelfluggelände Sinsheim aus wurden immer weitere Streckenflüge unternommen, in Sinsheim wurden eigene Wettbewerbe veranstaltet und seit 1973 wird bis heute im Sommer das jährlich stattfindende Segelflug-Jugendlager für den Baden-Württembergischen Luftsportverband durchgeführt.
Auch baulich änderte sich viel, eine große Segelflugzeughalle entstand, später daneben eine Halle für Motorsegler, Anbauten für die anderen Geräte wie Winde, Fahrzeuge, und für den Schlepper zur Bearbeitung des Flugplatzes. Eine neue Flugmodellbau-Werkstatt, ein Büroraum als Flugleitung und eine Tankanlage für Winde, Fahrzeuge und Motorsegler waren weitere bauliche Projekte. Zum Schluss noch mehrere Hallen zur Unterstellung der privaten Segelflugzeuge auf deren Anhängern. 1978 konnte das 25-jährige Bestehen des Vereins mit einem großen Sommernachtsfest in der Flugzeughalle gefeiert werden und 2003 das 50-jährige mit einem Flugtag der Extraklasse. Dass die Mitglieder des Vereins sich nicht nur auf ihre eigenen Interessen beschränken, zeigt die Teilnahme an vielen Fohlenmarktumzügen, an den Programmen der Stadtverwaltung zur Betreuung von Jugendlichen für einen Erlebnistag in den Sommerferien. Im Mai 2012 öffnete sich der Verein dem Behindertensport und nahm den ersten "Rolliflieger" auf.

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